Saiteninstrumente (auch Chordophone) werden sowohl nach anatomischen Aspekten als auch nach der Art der Klangerzeugung (zupfen, streichen, schlagen) klassifiziert, wobei die letztere Klassifikationsweise von uns als vorrangig betrachtet wird. In der Praxis führt eine Kombination beider Konventionen in vielen Fällen zu präzisen und nützlichen Definitionen.
Bei der anatomischen Klassifikation wird zwischen Lauten, Zithern und Harfen unterschieden. Bei Lauteninstrumenten verlaufen die Saiten über einen an einem Resonanzkörper befestigten Hals (Gitarre, Geige, Banjo etc), bei Zitherinstrumenten liegen die Saiten direkt auf einem halslosen Klangkörper (Piano, Harpsichord, Dulcimer, ebenso wie das chinesische Guzheng und das japanische Koto) und bei Harfeninstrumenten stehen die Saiten rechtwinklig von Klangkörper ab (Harfe, ebenso wie die westafrikanische Kora).
Die hier verwendete Klassifikation nach Tonerzeugung unterscheidet zwischen Zupfinstrumenten, Streichinstrumenten und geschlagenen Saiteninstrumenten (entgegen der üblichen, aber oft verwirrenden Einordnung in die Gruppe der so genannten Schlaginstrumente).
Bei Zupfinstrumenten wird die Saite mit dem Finger, einem Plektrum oder einer Feder gezupft, und so in Schwingung versetzt. Zu den vielen bekannten Formen von Zupfinstrumenten gehören neben Gitarre, Mandoline und Banjo auch das Oud aus dem Nahen Osten, die Bouzouki und das Baklama aus Griechenland, das Saz aus der Türkei, das Biwa, Koto und Shamisen aus Japan, Sanhsien und Pi Pa aus China, das Tanbur aus Afghanistan, das Icbacarre aus Mosambik, Khalam und Kora aus dem Senegal, Sitar und Sarod aus Indien, das Koboz aus Ungarn und die Mandora aus Schweden, um nur einige zu nennen. Auch das Cembalo, dessen Mechanik im Gegensatz zum Klavier die Saiten nicht mit Hämmern anschlägt sondern mit Federn zupft, gehört zu dieser Familie.
Bei Streichinstrumenten wird die Saite mit einem Bogen (früher aus Pferdehaar) gestrichen und durch den dabei entstehenden leichten "Sägeeffekt" zum Schwingen gebracht. Bekannte Beispiele sind neben der europäischen Violinenfamilie (Violine, Viola, Cello, und Kontrabass) das chinesische Erh Hu, das indische Sarangi und das arabische Rebab. Zu den exotischen Varianten zählen die Nyckelharpa aus Schweden, deren Saiten mit Hilfe von Tasten niedergedrückt werden und die Drehleier aus dem europäischen Mittelalter, bei der die Saiten statt mit einem Bogen von einem durch eine Kurbel in Bewegung gehaltenem Rad gestrichen werden. Zusätzlich können Streichinstrumente auch gezupft ("Pizzicato"), oder mit dem Bogen geschlagen werden ("Col Legno"). Zu guter Letzt können Stahlsaiten von elektrischen Gitarren und Geigen durch einem so genannten elektrischen Bogen (E-Bow) mit Hilfe von Magnetfeldern in Schwingung versetzt werden.
Bei geschlagenen Saiteninstrumenten werden die Saiten entweder manuell mit Schlagstöcken oder durch komplexe mechanische Vorrichtungen zumeist vertikal von oben "geklopft" oder "geschlagen". Der berühmteste Vertreter dieser Gruppe ist zweifelsohne das Klavier. Ebenfalls mit zu dieser Gruppe gehören das Clavichord, das Hackbrett, das indische Santur und das osteuropäische Cimbalom, sowie moderne Varianten der E-Gitarre wie der Chapman Stick, die Warr Guitar und die Megatar.
