Die unscheinbare Maultrommel (engl. Jews Harp, Jaw Harp, franz. Jeu-Trompe) aus der Familie der Zupfidiophone gilt als eines der ältesten und weitverbeitesten Musikinstrumente der Welt. Ihr charakteristischer Klang zieht sich durch die Traditionen unzähliger Kulturen, von Polynesien über China, Kirgisien, Indien, den Kaukasus, Skandinavien, den Balkan und den Alpenraum bis zum Atlantik. Weltweit ist sie unter über 1000 verschiedenen Namen bekannt, darunter Mondtrom (Niederlande), Huuliharpu (Finnland), Doromb (Ungarn), Drombulja (Serbien), Drymba (Ukraine) Khomus in Zentralaisen, Morsing (Indien), Kongtha (Bhutan), Ankuoc (Kambodscha), Ata (Thailand), Dan Moi (Vietnam), Rangguin (Malaysien), Giwong (Philippinen), Gengong (Bali), Kouqin (China) und Mukkuri (Japan). Experten vermuten seinen Ursprung in Asien. Die ältesten bekannten Darstellungen maultrommelähnlicher Instrumente stammen aus dem China des dritten vorchristlichen Jahrhunderts.
Von dort wanderte die Maultrommel entlang der Seidenstrasse westwärts und gelangte im 13. Jahrhundert nach Europa. Der Übergang von Modellen aus Bambus, Palmblättern, Holz und Knochen, wie sie bis heute u.a. in Indonesien und Vietnam gespielt werden, zu aus Metall gefertigten Modellen geschah vermutlich in Nordindien. Die ältesten aus Europa bekannten Maultrommeln sind aus Eisen, Bronze und Messing. Nachdem das Instrument in diversen europäischen Kulturen Fuss gefasst hatte, hielt es im Barock auch in der ernsten Musik Einzug. So schrieb der österreichische Komponist Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809), ein Lehrer Beethovens, mehrere Konzerte für Maultrommel, Laute und Streichinstrumente, die auf Hofkonzerten für Joseph II von Österreich-Ungarn (1741-1790) aufgeführt wurden. 1816 konstruierte der Krefelder Akustiker Johann Heinrich Scheibler (1777–1837) die sogenannte Aura, ein Instrument aus 20 aufeinander abgestimmten Maultrommeln, welches das Spielen chromatischer Melodien erlaubte. Im deutschsprachigen Raum bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch als Brummeisen bekannt, verlor die Maultrommel erst mit dem Aufkommen der Mundharmonika zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Bedeutung.
Auch in der westlichen Popkultur des 20. Jahrhunderts ist die Maultrommel in den unterschiedlichsten zu vertreten. Zu hören ist sie unter anderem in der Filmmusik von Ennio Morricone für den Italo-Western Für eine Handvoll Dollar, in dem 70er Chart Erfolg One And One Is One von Medicine Head, der Titelmelodie der Kindersendung "Sesamstrasse", der Cartoon Serie "Peanuts" (als das Instrument von Snoopy), oder bei den Red Hot Chili Peppers (Give It Away) und Bon Jovi (Blaze of Glory). Kein ein anderes Instrument kann für sich in Anspruch nehmen, gleichzeitig als Schamanenwerkzeug, Kinderspielzeug und Werbeartikel Verwendung zu finden, als Folkloreinstrument in den Alpen und der Mongolei beliebt zu sein, in der westlichen Rockmusik als Stilmittel zu dienen und im Instrumentarium der europäischen und der südindischen Klassik vertreten zu sein.
Als virtuose Hochburgen der Maultrommel Tradition sind unter anderem Südindien, Vietnam und die an die Mongolei grenzende ostrussische Republik Tuva zu nennen. Im Rahmen der World Music wurden die von Maultrommeln begleiteten tuwinischen Obertongsänge der Gruppen Yat Kha und Huun-Huur-Tu weltberühmt. Die südindische Morsing (im Westen bekannt geworden durch die Aufnahmen des Jazz Gitarristen John McLaughlin mit der Gruppe Shakti) begleitet die komplexen Rythmen der klassischen Musik Karnatakas oft unisono und mit beeindruckenden Stakkatos:
Der Instrumentalist Bharadwaj R Sathavalli aus Bangalore, mit dem Hexamorse, einer Kombination aus 6 Morchings, entwickelt von N. Raghu und Karthik R Sathavalli.
Bei den asiatischen Maultrommeln wird unter anderem zwischen Modellen unterschieden, bei denen die Lamelle des Instruments gezupft wird (wie bei westlichen Maustrommeln) oder mit Hilfe einer Schnur in Schwingung versetzt wird (wie bei der Gagana aus Assam). Weiter unterscheidet man zwischen Bauweisen, bei denen das Instrument nicht an den Zähnen (wie im Westen) sondern an den Lippen angesetzt wird, wie etwa beim Dan Moi aus Vietnam.
