Die Gruppe der Rohrblattinstrumente (engl. Reed Pipes oder Contained Reed Instruments) umfasst Musikinstrumente wie das Saxophon oder die Oboe, bei denen der Musiker gegen eine oder oder mehrere dünne Scheiben aus Schilf, Bambus oder synthetischem Material (sogenannte Rohrblätter oder Lamellen) bläst. Gemeinsam ist den Instrumenten dieser Gruppe, dass die schwingende Luft von einem zumeist röhrenförmigen Klangkörper umschlossen ist (im Gegensatz zu den Freien Aerophonen, wo sie frei schwingt). Da viele freie Aerophone zur Klangerzeugung ebenfalls Lamellen einsetzen (Freie Rohrblattinstrumente), verwenden manche Autoren zum Zwecke der genaueren Abgrenzung Bezeichnungen wie Contained Reed Instruments (etwa Umschlossene Rohrblattinstrumente) oder Reed Pipes (etwa Röhren-Rohrblattinstrumente).
Genauer unterschieden wird bei den Rohrblattinstrumenten zwischen Einfach-Rohrblattinstrumenten (auch Aufschlagzungen-Instrumente, oder engl. Single Reeds - Klarinette, Saxophon etc.), bei denen ein einzelnes Rohrblatt gegen ein Mundstück vibriert, und Doppel-Rohrblattinstrumenten (auch Gegenschlagzungen-Instrumente, engl. Double Reeds oder Multiple reeds - Oboe, Dudelsack, Schalmei etc.), bei denen zwei oder mehrere Rohrblätter gegeneinander vibrieren. Beim Dudelsack und beim Krummhorn verhindert ein längliches Mundstück zwar den direkten Kontakt mit den Rohrblättern, da jedoch die Rohrblätter gegeneinander vibrieren und nicht frei schwingen, gelten beide ebenfalls als Gegenschlagzungen-Instrumente.
Beispiele für Single Reeds bzw. Einfachrohrblattinstrumente sind die spanische Albogue, die italienische Launeddas, das Schundaphone aus Osteuropa sowie Mijwiz und Arghoul aus dem arabischen Raum. Zu den Double Reeds bzw. Doppelrohrblattinstrumenten gehören das Duduk aus Osteuropa und dem Nahen Osten, das Mey aus der Türkei, die Zurna aus dem Iran, das Guan or Guanzi aus China, das koreanische Piri und die japanische Hichiriki. Einige asiatische Instrumente, wie die indische Shenai, das kambodschanische Sralai oder die Famile der Pi Instrumente aus Thailand nutzen zwei gegeneinander vibrierende Paare von Rohrblättern und werden folgerichtig oft als Quadruple Reeds ("Vierfach-Rohrblattinstrumente") bezeichnet.
Die Schalmei, ein von der persischen Zurna abstammendes Doppel-Rohrblattinstrument aus dem europäischen Mittelalter und ein direkter Vorfahre der modernen Oboe, ist heute in Westen weitgehend in Vergessenheit geraten. Dagegen überlebte sie in den verschiedensten Winkeln dieser Welt, wie etwa in Guatemala - wo sie unter ihrem spanischen Namen Chirimia bis heute gespielt wird - und in Japan, wohin sie durch portugiesische Missionare gelangte und sich anschliessend zur Charumera oder Charumeru weiterentwickelte.
