Beim Spielen von typischen "Blechblasinstrumenten" wie Trompete, Posaune oder Tuba lässt der Musiker seine Lippen vibrieren, während er Luft in ein Mündstück oder in eine Öffnung im Klangkörper bläst. Dieses Prinzip ist von Metall als Baumaterial nicht abhängig und wird auch von anderen, nicht aus Metall gefertigten Instrumenten wie dem Didjedridu verwendet. Aus diesem Grund erscheinen alternative Bezeichnungen wie Lip Vibrated Aeorphones (auch Labrosones) bzw. Lippenvibrierte Aerophone sinnvoller. Die Hornbostel-Sachs Klassifikation verwendet für diese Gruppe den Überbegriff "Trompeten".
Zu den einfachsten und ältesten lippenvibrierten Aerophonen gehören Tierhörner und Meeresmuscheln. Überall auf der Welt wird seit Tausenden von Jahren auf ihnen musiziert. Sie fallen unter die Kategorie der Naturhörner oder Naturtrompeten (Hornbostel-Sachs), dh. sie bieten ausser der Erzeugung von Obertönen durch Überblasen keinerlei Möglichkeiten zur Veränderung der Tonhöhe. Zeitgenössche Verteter dieser Gruppe sind unter anderem Tierhörner wie das Shofar aus Israel, das En Gombe aus Uganda, das Rwa-Dun aus Tibet, Shringa, Sngha and Kombu aus Indien und Muschelhörner wie das indische Shank oder Shankam, das Dun-Dkar oder Dung-Dkar aus Tibet, das Horagai oder Hora aus Japan, das Faluo oder Hai Lo from China, sowie eine grosse Anzahl von Muscheln aus dem pazifischen Raum, wie das Davui aus Fiji, das Tapae aus Vanuatu und das Kele-a aus Tonga.
Von Menschenhand gefertigte Naturhörner gibt es aus Bambus, Holz, Kalebasse, Knochen, Elfenbein, Ton, oder Metall, viele davon Tier- oder Muschelhörnern direkt nachempfunden. In Indien etwickelte sich aus dem archaischen Shringa oder Kombu eine ganze Reihe aus Metall gefertiger Naturhörner, wie die c-förmigenTimiri Kombu und Bari Kombu, das s-förmige Nagphani oder Bargu und das kurvenlose Kahala. Weitere zeitgenössische gefertigte Naturhörner sind das Alphorn, das Didjedridu, das Borija aus dem Balkan und das Arupepe aus Uganda (alle aus Holz) das Rkan-dun oder Rkang-gling aus Tibet (Knochen), das Waza aus dem Sudan (Kalebasse), das Pu-Ohe aus Hawaii, das Vaksen aus Haiti, das Pepato aus Indonesien (alle aus Bambus) und das Potuto aus Peru (aus Ton), um nur wenige zu nennen.
Beispiele von nicht-westlichen lippenvibrierten Aerophonen mit Löchern oder anderen Vorrichtungen zur Änderung der Tonhöhe, wie etwa beim nordindischen Bas, sind selten.
