Bei Aerophonen erfolgt die Klangerzeugung durch schwingende Luft. Da die Luftzufuhr nicht nur durch die Atemluft eines Musikers sondern auch durch mechanische Hilfen erfolgen kann, umfassen Aerophone neben typischen Blasinstrumenten wie Flöten Trompeten und Saxophonen auch alle anderen "luftbetriebenen" Musikinstrumente, vom Akkordeon über zischende Peitschen und quietschende Luftballons bis hin zur Kirchenorgeln.
In der Regel werden Aerophone in zwei grosse Hauptgruppen unterteilt, die eigentlichen Blasinstrumente und die freien Aerophone. Bei den eigentlichen Blasinstrumenten schwingt die Luft innerhalb eines röhrenförmigen Klangkörpers, wie zb. bei Flöte, Saxophon, Trompete etc. ("Eigentliche Blasinstrumente" ist die von Hornbostel-Sachs verwendete Bezeichnung - nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle der etwas präzisere englische Begriff Pipe Aerophones bzw. "Röhren-Aerophone"). Bei freien Aerophonen wird die schwingende Luft nicht durch das Instrument begrenzt, sondern schwingt "frei" (Akkordeon, Orgel, Maultrommel etc.).
Bei den eigentlichen Blasinstrumenten bringt der Musiker die Luft innerhalb des Klangkörpers zum Schwingen, wobei zwischen drei grundsätzlich verschiedenenen Methoden der Schwingungsbildung unterschieden wird: Tonerzeugung durch Blasen gegen eine Anblaskante (engl. Edge Instruments - Flöten), durch Blasen über einfache oder doppelte Rohrblätter (engl. Reed Pipes - Saxophon, Oboe, Schalmei etc.) oder durch Lippenvibration (engl. Lip Vibrated Instruments - Trompete, Muschelhorn, Didjeridu etc.). Die Tonhöhe wird durch die Länge der vibrierenden Luftsäule bestimmt, welche durch verschiedene Methoden manipuliert werden kann, etwa mit Hilfe von Ventilen (Trompete) und Schiebevorrichtungen (Posaune) oder durch das Öffnen und Schliessen von Löchern oder Klappen entlang des Klangkörpers (Flöte). Zusätzlich lassen sich durch die Stärke des Luftstroms beim Anblasen Obertöne erzeugen, wodurch sich die Zahl der erzeugbaren Töne erhöht (Fanfaren, aber auch die Klarinette, nutzen dieses Prinzip).
Die traditionelle Unterteiliung der eigentlichen Blasinstrumente in Holzblasinstrumente und Blechblasinstrumente orientiert sich sowohl am Baumaterial als auch an der Art der Klangerzeugung, und sorgt daher oft für Verwerrung. Das hölzerne Didjeridu etwa müsste nach dieser Klassifikationsmethode zu den Blechblasinstrumenten gerechnet werden, da seine Tonerzeugung ähnlich wie bei der Trompete durch Lippenvibration erfolgt. Strikt an der Klangerzeugung orientierte Klassifikationen erscheinen daher sinnvoller, da sie derartige Wirren nicht zulassen.
Bei den freien Aerophonen (Akkordeon, Orgel, Maultrommel etc.) ist die Tonhöhe nicht von der Länge der vibrierenden Luftsäule abhängig. Der Grossteil der freien Aerophone zählt zur Untergruppe der selbstklingenden Unterbrechungsaerophone (Hornbostel-Sachs) oder Free Reed instruments, bei denen die Tonhöhe durch die Länge einer frei schwingenden Holz- oder Metallzunge bestimmt wird. Hierzu gehören auch das Akkordeon, das Harmonium und die Mundharmonika. Einige ebenfalls zu dieser Gruppe zählende asiatische Musikinstrumente wie das chinesische Sheng nutzen zum Zwecke der Tonverstärkung röhrenförmige Klangkörper, deren Länge aber keinen Einfluss auf die Tonhöhe ausübt.
